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Geschichtlicher Überblick

Die Systematische Theologie ist erst im Zeitalter der Aufklärung nach Abkehr von der in der Reformationszeit und in der älteren reformierten und lutherischen Orthodoxie gebräuchlichen "Loci-Methode" entstanden. Während sich ihre pragmatisch-berufsvorbereitende Funktion bei allem Wechsel durchhielt, ist sie in theoretischer Hinsicht von dem früheren idealistisch-theologischen Selbstverständnis zu dem gegenwärtigen erfahrungswissenschaftlichen übergegangen.

Dieses läßt sich beschreiben als die Verantwortung des Ganzen der Theologie im Spannungsfeld zwischen universalem Geltungsanspruch und kontextueller Partikularität, zwischen konfessioneller Pluralität und individueller Religiosität, zwischen Kirche und moderner pluralistischer Gesellschaft, zwischen christlichen Konfessionen, anderen Religionen und nicht-religiösen Weltentwürfen. Für die gegenwärtige Situation ist die Ablösung von Säkularismuskonzepten durch Pluralismuskonzepte kennzeichnend.

Neue Fragestellungen liegen auf dem Gebiet einer die konfessionelle Pluralität des Christentums theoretisch bearbeitenden ökumenischen Theologie sowie des Dialogs der Religionen, mit welchem sich das Desiderat einer Theologie der Religionen verbindet. Ökumenische Theologie reflektiert heute vor allem die Pluralität sogenannter kontextueller Theologien. Ein besonderer Forschungsschwerpunkt ist hierbei die sogenannte Feministische Theologie. Von den genannten Themenfeldern nicht zu trennen sind neue Entwicklungen auf dem Gebiet der theologischen Ethik, vor allem im Bereich der Sozialethik und der Ethik in den Wissenschaften, an deren transdisziplinärer Fortentwicklung die Systematische Theologie intensiv beteiligt ist. Auch die Religionsphilosophie berücksichtigt heute stärker die empirische Religionsforschung, während die Bedeutung apodiktisch vorgetragener (genetischer) Religionskritik zurücktritt.

Fachprofil

Im Rahmen des Gesamtauftrags der Evangelisch-Theologischen Fakultät erfüllt das Institut für Systematische Theologie folgende Aufgaben:

  • Wissenschaftliche Berufsvorbildung des geistlichen Nachwuchses der beiden evangelischen Kirchen in Österreich sowie Vorbereitung für Tätigkeiten im kirchlichen Dienst oder Auftrag bzw. für Tätigkeiten, die Kenntnisse der Bibel sowie der historischen und aktuellen kirchlichen Ideen, Institutionen und Lehrgehalte erfordern
  • Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses
  • Theologische Forschung und Weiterentwicklung der theologischen Wissenschaft

Die Angehörigen des Instituts führen Lehrveranstaltungen und Prüfungen (einschließlich der Betreuung von Diplomarbeiten und Dissertationen) in beiden Evangelisch-Theologischen Studienrichtungen (Fachtheologie, Religionspädagogik) in jeweils allen drei Studienabschnitten (Grundstudium, Hauptstudium, Doktoratsstudium) durch.

Die am Institut in Lehre und Forschung Beschäftigten nehmen darüber hinaus eine Reihe von kirchlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Aufgaben auf dem Gebiet der kirchlichen Fort-, Weiter- und Erwachsenenbildung, im Rahmen kirchlicher Gremien als theologische Expertinnen und Experten (z.B. Mitgliedschaft in kirchlichen Fachkommissionen, Gutachtertätigkeit) wahr. Allgemein läßt sich die gesellschaftliche Relevanz des Instituts wie folgt beschreiben:

  • Gesamtgesellschaftlich: Wahrnehmung des theologischen Bildungsauftrags; Überprüfung von Werthaltungen christlicher und anderer Weltanschauungen; wissenschaftliche Reflexionen von Religion und ihrer ethischen Implikationen in kirchlichen und außerkirchlichen Bereichen.
  • Innerhalb der Wissenschaften: Erschließung der impliziten und expliziten Grundlagen des Christentums im Kontext anderer Religionen; Formulierung des spezifisch protestantischen Beitrags innerhalb der akademisch-kulturwissenschaftlichen Wertediskussion.
  • Innerhalb der religiös-kirchlichen Öffentlichkeit: Kritische Reflexion religiöser Glaubensinhalte und kirchlicher Handlungsfelder.

Transdisziplinäre Zusammenarbeit in Forschung und Lehre besteht vor allem auf dem Gebiet der Religionsphilosophie (Zusammenarbeit mit dem Institut für Philosphie an der Grund- und Integrativwissenschaftlichen Fakultät sowie den Instituten für Christliche Philosophie und Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät) und der (medizinischen) Ethik (Zusammenarbeit mit dem Institut für Ethik in der Medizin und dem Institut für Moraltheologie), ferner mit der Kirchenväterkommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Außerhalb der Universität sind die wichtigsten Kooperationspartner die Evangelische Kirche A.B. und die Evangelische Kirche H.B. in Österreich.

Derzeitige Schwerpunkte der Forschungs- und Publikationstätigkeit

  • Edition der augustinischen Schrift "Contra Sermonem Arrianorum" (CSL, Wien)
  • Theologiegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
  • Religionsphilosophie und Theologie der Religionen
  • Nietzsche-Forschung (u.a. Erstellung einer Nietzsche-Datenbank, gefördert durch den Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung und Edition der Kritischen Gesamtausgabe der Briefwechsel Fr. Nietzsches [Verlag De Gruyter]
  • Sozialethik und Ethik in der Medizin
  • Edition der nachgelassenen Werke Albert Schweitzers (Verlag C.H. Beck, München)
  • Theologische Hermeneutik
  • Ökumenische Theologie
Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft
Evangelisch-Theologische Fakultät
Universität Wien

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