Umgang mit religiöser Diversität in europäischen Gefängnissen

04.12.2017

Vom 24.11.‐27.11. 2017 fand an der Evangelisch‐Theologischen Fakultät der Universität Wien ein Workshop zum Umgang mit religiöser Diversität im Strafvollzug statt. Dr. Triantafyllos Tranos, ein Lehrer für ästhetische Bildung in einem Gefängnis bei Thessaloniki, berichtete über die Situation in griechischen Gefängnissen. Rev. Dr. Magnus Abrahamson, ein lutherischer Seelsorger, der in einem Gefängnis in Goetheborg tätig ist, berichtete über die Gefängnisseelsorge in schwedischen Gefängnissen. Die österreichische und deutsche Perspektive brachte der Religionswissenschafter Prof. Dr. Wolfram Reiss zur Sprache, der vor seinem Ruf an die Universität Wien selbst in einem Hochsicherheitsgefängnis in Deutschland tätig war und zu interreligiösen Aspekten in Anstalten publizierte.

Es zeigte sich, dass die Unterschiede zwischen den Ländern beträchtlich sind. Nicht nur weil es durch die historische Dominanz einer jeweils anderen christlichen Kirche Unterschiede gibt, sondern weil auch die politischen, rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen völlig unterschiedlich sind. In Griechenland haben ausschließlich orthodoxe Priester im Rahmen einer bei der Polizei angesiedelten „Spiritual Defense“ Zugang zu Haftanstalten. Obwohl in griechischen Gefängnissen die religiöse Vielfalt mittlerweile auch sehr groß ist, besteht die orthodoxe Seelsorge vornehmlich in einer Unterweisung im orthodoxen Glauben, die an alle Gefangenen gerichtet ist ungeachtet der religiösen Prägung. Es finden orthodoxe Messliturgien, Predigten und Unterweisungen statt sowie individuelle Gespräche der Priester mit Gefangenen.

Überlegungen, dass auch Insassen mit anderen Religionen eine Ausübung ihrer religiösen Praxis gewährt werden sollte, wurden erst jüngst in einem Gesetzentwurf vom 30. Oktober 2017 aufgenommen. Insoweit steht das kollektive Recht der nationalen orthodoxen Kirche auf Seelsorge, Unterricht und Unterweisung im Vordergrund, während das individuelle Recht auf Religionsausübung anderer Religionen und der Zugang von anderen Religionsgemeinschaften zu Strafanstalten erst noch grundsätzlich debattiert wird. Die orthodoxen Geistlichen werden vom Staat bezahlt.

 

 

Triantafyllos Tranos, Magnus Abrahamson, Wolfram Reiss